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Haller Marketing Consulting

Prof. Dr. Klaus J. Haller

„Think and Act“, dieser Devise folgt auch mein HMC-Blog der aktuelle Themen und bemerkenswerte Ereignisse aus dem lokalen bis hin zum globalen Marketing aufgreift und kommentiert.

Das Spektrum umfasst Persönlichkeiten, Unternehmen, Kampagnen, wissenschaftliche Beiträge und interessante Fallstudien.

Corona-Chancen

Weniger ist mehr -Look up statt lockdown
Modemarke nooou geht neue Wege

Keine andere Krise nach dem 2. Weltkrieg verändert unser Leben und unser Verhalten so nachhaltig wie Corona. Das Virus greift menschliche Organismen an und kann tödlich wirken. Infizierte können das Virus übertragen. Soziale Nähe wird zum gesundheitlichen Risiko. Corona wird politisch als fundamentale Bedrohung unserer gesellschaftlichen Systeme bewertet. Das soziale Leben wird limitiert  (Social Distancing) und persönliche Freiheiten drastisch eingeschränkt (Lockdown). Menschen meiden die Öffentlichkeit, ziehen sich in ihr zuhause zurück (Cocooning), agieren zunehmend virtuell (Virtualität verdrängt Realität), nutzen zunehmend e-commerce und die Innenstädte leeren sich. Menschen sind verunsichert, viele publikumsorientierte Branchen ringen um ihre Existenz oder geben ihr Geschäft auf, viele sind auf Kurzarbeit angewiesen.

Die Corona-Krise fordert uns alle und ein Ende ist nicht abzusehen. Während zum Beispiel die Klimakrise vielen Menschen noch nicht richtig bewußt ist und weit weg erscheint, ist Corona ganz nah und zwingt uns, zu reflektieren und unser Verhalten zu verändern –  „weiter so“ funktioniert nicht mehr.

Wie jede Krise bietet aber auch Corona Chancen umzudenken und vielleicht neue Wege zu gehen. Kreativität und Optimismus sind gefragt: Look up statt lockdown. 

Dies gilt insbesondere auch für Mode. Statt Fast-Fashion und schnellem kurzlebigen, oberflächlichem Konsum besteht jetzt die Chance, sein Verhalten am eigenen Wertekompass zu zu reflektieren und neu auszurichten: Selbstfindung, Selbstbewußtsein, Nachhaltigkeit, Entschleunigung, Lebensfreude, Zeitlosigkeit, intelligentes, verantwortungsvolles und bewusstes Leben und Verhalten sind angesagt. 

Im Gegensatz zu Fast-Fashion versteht sich zum Beispiel die neue Marke „nooou“ für Damen-Bekleidung als Code für ein zeitloses modulares Bekleidungskonzept von hoher Qualität, Wertigkeit sowie minimalstischer und reduzierter Eleganz. Nooou möchte die Persönlichkeit ihrer Kundinnen unterstreichen und Understatement, Natürlichkeit, Authentizität sowie hohe Wiedererkennbarkeit des Bekleidungsstatements zum Ausdruck bringen. Die Gründerinnen Krisztina Burmeister und Christiane Krämer haben mit nooou  ein fashion lab „für Kreativität am Körper – feminin, zeitlos, stylish und hipp“ geschaffen. Die fließenden Kleidungsstücke von nooou sollen den Zeitgeist einer sich ständig und schnell wandelnden Welt verkörpern, in der sich der Mensch finden und anpassen muss und sich dabei gleichzeitig selbst treu bleiben möchte (www.nooou.de)

Von Angela lernen

Nein, ich meine nicht unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel – ich meine Angela Ahrendts, der 2006 als neue Chefin von Burberry aufgefallen war, dass zum ersten Management-Meeting kein einziger Teilnehmer im Burberry-Trenchcoat kam und Sie mit Recht fragte „wie wollt ihr eure Produkte verkaufen, wenn ihr euch selbst nicht mit ihnen identifiziert ?“

Was ihr bei Burberry gelang ist legendär: Sie konnte den Umsatz der vor allem durch Lizenzgeschäft nahezu ruinierten Modemarke in acht Jahren verdreifachen und Burberry durch Fokussierung, Zentralisierung, Social Media und Content Marketing für die Millenials verjüngen, begehrt machen und wieder zu einer Top-Luxusmarke repositionieren.

2014 wird Angela Retail-Chefin bei Apple und baut die Apple-Stores zu Community-Boutiquen um, verbindet Retail mit Online-Handel und setzt die Corporate Identity in Stores und Internet um. Die Produktpräsentation rückt in den Hintergrund zugunsten von Events, classes, workshops, Service, Kommunikation und Get-Together. Sichtbarste Innovationen und Veränderungen sind die Flagshipstores im Stile großer Foren an Top-Adressen in Paris, Mailand oder Washington. „When you are serving digital natives, the thing they long for more than anything is human connection“ (Retail is broken. Apple’s Angela Ahrendts has a plan, Suzy Menkes, Vogue Business, 29.1.2019). So wird zum Beispiel jeder Teilnehmer eines „Today at Apple“ gefragt „Did we inspire you to learn something new? Did we help to unlock your creativity? Die Rücklaufquote liegt bei 96 Prozent.

Im April 2019 verlässt sie Apple und will nun als Mitglied des Verwaltungsrats eine Airbnb Community aufbauen. Ich bin gespannt was wir bald Neues von Angela lernen können – auch in Bezug auf Karriere-Timing…